top of page

Die Rauhnächte – Bedeutung, Ursprung und Rituale für eine bewusste Zeit zwischen den Jahren


Eine persönliche Begegnung, die geblieben ist


Vor vielen Jahren war ich im Allgäu auf einer Kräuterwanderung. Geführt von einer alten Frau, die mehr an eine Großmutter erinnerte als an eine klassische „Expertin“.

Sie sprach ruhig, selbstverständlich –so, als würde sie Wissen weitergeben, das ihr selbst anvertraut worden warund auf keinen Fall verloren gehen durfte.


Ihr Wissen kam nicht aus Büchern. Es kam aus Erfahrung, aus Beobachtung, aus einem tiefen Verwobensein mit der Natur. Man spürte: Sie wollte es weitergeben – an die nächste Generation, an Menschen, die bereit sind zuzuhören.


Wir gingen langsam. Sie zeigte Pflanzen, sprach über Zyklen, Übergänge und Zeiten, in denen das Alte endet und das Neue noch keinen Namen hat. Und irgendwann sprach sie von den Rauhnächten.

Nicht geheimnisvoll. Nicht spektakulär. Sondern ruhig. Selbstverständlich. So, als wären sie etwas, das wir eigentlich alle kennen – nur vergessen haben.

Seit dieser Begegnung gestalte ich diese Zeit ganz bewusst für mich. Nicht perfekt. Nicht streng. Aber achtsam. Still. Und verbunden.


Was sind die Rauhnächte?


Die Rauhnächte bezeichnen die zwölf Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar. Die erste Rauhnacht beginnt traditionell in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die letzte endet in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar.


Sie gelten als eine Zeit außerhalb der normalen Zeit –eine Phase des Übergangs zwischen dem alten und dem neuen Jahr.


Der Ursprung liegt im Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr: Ein Mondjahr zählt 354 Tage, ein Sonnenjahr 365. Diese „fehlenden“ Tage galten früher als besondere Schwellenzeit.


Seit wann gibt es die Rauhnächte?


Die Rauhnächte haben ihre Wurzeln im keltischen, germanischen und alpinen Brauchtum. In einer Zeit, in der das Leben eng mit den Rhythmen der Natur verbunden war.

Der Winter bedeutete Rückzug. Die Felder ruhten. Der Mensch kam zur Ruhe. In Bayern sagt man auch gerne: Die "stille und stade Zeit".


In den Rauhnächten wurde:

  • nicht gearbeitet

  • geräuchert

  • geträumt und gelauscht

  • auf innere und äußere Zeichen geachtet


Auch wenn vieles später verdrängt oder umgedeutet wurde, ist die Essenz dieser Zeit bis heute spürbar.


Die Wintersonnenwende (21.12.) – der bewusste Übergang


Der 21. Dezember, die Wintersonnenwende, ist der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Ab diesem Moment wird das Licht wieder stärker.


Diese Schwelle eignet sich besonders, um Altes bewusst loszulassen, bevor in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember die erste Rauhnacht beginnt.


Loslass-Ritual zur Wintersonnenwende


Nimm dir am 21.12. einen ruhigen Moment –am Abend, bei Kerzenlicht, ganz für dich.

Schreibe auf einen Zettel alles,was dich im vergangenen Jahr negativ beeinflusst hat:

  • belastende Gedanken

  • schwere oder unterdrückte Gefühle

  • negative Glaubenssätze

  • alte Muster, Ängste oder Sorgen

  • Themen, die du nicht mit ins neue Jahr nehmen möchtest


Schreibe ehrlich. Nicht schön. Nicht gefiltert.

Lies den Zettel still durchund erkenne an, dass all dies Teil deines Weges war.

Dann verbrenne den Zettel achtsam(in einer feuerfesten Schale oder draußen).

Du musst nichts neu formulieren.Nur Raum schaffen.

Alles Neue darf später entstehen –in den Rauhnächten selbst.


Warum sind die Rauhnächte so wichtig?


Weil sie uns etwas schenken,das im Alltag oft keinen Platz mehr hat: Zeit ohne Erwartung.

Die Rauhnächte laden dazu ein:

  • das vergangene Jahr bewusst abzuschließen

  • Erfahrungen zu würdigen – auch die schweren

  • innere Klarheit entstehen zu lassen


Es geht nicht um Ziele oder Optimierung,sondern um Ausrichtung.


Was kann man in den Rauhnächten machen?


Die Rauhnächte sind kein Pflichtprogramm. Alles darf – nichts muss.

Mögliche Begleiter dieser Zeit:

  • Stille und Rückzug

  • Spaziergänge in der Natur

  • Journaling oder Tagebuch

  • Träume notieren

  • bewusstes Loslassen

  • kleine Rituale


Weniger Tun. Mehr Wahrnehmen.


Aufschreiben, was sich zeigt


In dieser Zeit ist es besonders wertvoll, alles aufzuschreiben, was dir begegnet.

Nicht nur Gedanken –sondern auch:

  • Träume

  • besondere Begegnungen

  • Sätze, die dich berühren

  • innere Bilder

  • Gefühle oder scheinbar zufällige Impulse

  • Momente, die sich „magisch“ oder bedeutungsvoll anfühlen


Oft verstehen wir ihre Bedeutung nicht sofort.

Doch irgendwann – manchmal Monate später –kommt ganz von selbst der Impuls, nachzulesen.


Und nicht selten entsteht dabei ein stilles Staunen:weil sich Dinge genau so gezeigt haben,wie sie sich in diesen Nächten leise angekündigt haben.

Die Rauhnächte sprechen nicht laut. Aber sie hinterlassen Spuren.

Ein Notizbuch in dieser Zeitist wie ein Gespräch mit deinem zukünftigen Ich.


Räuchern in den Rauhnächten



Das Räuchern ist eines der bekanntesten Rituale dieser Zeit.Es dient der energetischen Reinigung und dem bewussten Übergang.

Typische Räucherkräuter:

  • Weißer Salbei – klärend

  • Beifuß – traditionelles Rauhnachtskraut

  • Wacholder – schützend

  • Fichte oder Tanne – erdend

  • Lavendel – beruhigend

Räuchere achtsam, mit offenem Fenster, ohne Eile.Eine klare Intention genügt.



Das 13-Wünsche-Ritual



Ein besonders schönes Ritual für die Rauhnächte ist das 13-Wünsche-Ritual.

So funktioniert es:

  1. Schreibe 13 Wünsche für das kommende Jahr auf kleine Zettel.

  2. Falte sie so, dass du sie nicht mehr lesen kannst.

  3. Lege sie in eine Schale oder ein Glas.

  4. Ziehe in jeder Rauhnacht einen Zettel und verbrenne ihn achtsam.

  5. Ein Wunsch bleibt übrig – um diesen kümmerst du dich im neuen Jahr selbst. Klebe ihn dir auf dein Vision Board oder irgendwo hin, wo du ihn immer sehen kannst, damit Du ihn nicht vergisst.


Es geht nicht um Magie, sondern um Bewusstsein, Vertrauen und Verantwortung.


Jede Rauhnacht steht für einen Monat


Traditionell steht jede der zwölf Rauhnächte symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres.Gedanken, Gefühle oder Träume können Hinweise geben.

Nicht alles will sofort verstanden werden. Manches zeigt sich erst im Laufe des Jahres.


Die Rauhnächte bewusst erleben

Du brauchst:

  • kein Vorwissen

  • keine Perfektion

  • keine festen Regeln

Nur:

  • Aufmerksamkeit

  • Ehrlichkeit

  • Zeit für dich


Seit jener Begegnung im Allgäu sind die Rauhnächte für mich ein stiller Anker. Eine Erinnerung daran, dass Transformation leise beginnt. Eine Einladung mich selbst wieder ein bisschen klarer zu sehen.


Die Rauhnächte als Einladung

Die Rauhnächte sind kein Muss.Sie sind ein Angebot.

Ein Raum zwischen dem Alten und dem Neuen.Zwischen dem, was war,und dem, was entstehen möchte.


Wenn du ihnen begegnest, begegne ihnen sanft. Sie werden Dich verzaubern.


Herzlichst,

Deine Angela




 
 
 
bottom of page