Drei Monate Bad Homburg – und eine Lektion, die ich nie vergessen werde
- Angela Loewer
- 23. Juni
- 4 Min. Lesezeit

Im März 2026 begann für mich eine intensive Reise nach Bad Homburg. Über drei Ausbildungsblöcke im März, Mai und Juni durfte ich mein Wissen in der Schmerztherapie vertiefen, neue Techniken erlernen, von erfahrenen Kollegen lernen und viele wunderbare Menschen kennenlernen.
Am Ende dieser Reise stand meine Rezertifizierung.
Doch die wichtigste Erkenntnis hatte nichts mit einem Zertifikat zu tun.
Sie hatte mit meiner eigenen Hüfte zu tun.
Selbstreflexion hört niemals auf
Wer mich kennt, weiß, dass ich täglich mit Menschen arbeite, die Schmerzen haben. Ich erkläre ihnen, wie wichtig Bewegung ist, wie wichtig Engpassdehnungen sind und dass Heilung oft in den kleinen Dingen beginnt, die wir regelmäßig und konsequent tun.
Doch auch ich bin nicht perfekt. Auch ich habe Beschwerden.
Seit der Geburt meines Sohnes Tim begleiteten mich Schmerzen in meiner linken Hüfte. Mal stärker, mal schwächer. Ich konnte damit leben. Als Therapeutin kennt man das manchmal: Man arrangiert sich mit Dingen, die eigentlich nicht selbstverständlich sein sollten. Ich machte meine Übungen regelmäßig. Ich dehnte. Ich trainierte.
Und dennoch blieben die Schmerzen.
Die Begegnung mit Petra Müller
Im Mai 2026 arbeitete ich während eines Ausbildungsblocks mit Petra Müller zusammen.
Petra ist die Trainingspartnerin von Roland Liebscher & Bracht und begleitet seit vielen Jahren Menschen auf ihrem Weg zu mehr Beweglichkeit und weniger Schmerzen.
Wir arbeiteten an einer Übung, die viele meiner Patienten bereits kennen: der Rotationsübung.
Eine Übung, die ich selbst seit Jahren ausführe.
Eine Übung, die ich regelmäßig meinen Patienten zeige.
Eine Übung, von der ich dachte, sie bereits perfekt zu beherrschen.
Doch Petra veränderte eine kleine Position meiner Hüfte.
Nur eine kleine Korrektur.
Nichts Spektakuläres.
Und genau das machte den Unterschied.
Vier Minuten, die alles verändert haben
Während der Übung geschah etwas, das ich so nicht erwartet hatte.
Nach kurzer Zeit begann ich stark zu schwitzen. Mein Körper reagierte intensiv.
Ich hatte das Gefühl, als würde meine Hüfte auseinandergerissen werden.
Mehrmals dachte ich:
„Das halte ich niemals durch.“
Doch Petra blieb ruhig.
Sie erklärte mir, dass dies eine ihrer „magischen Übungen“ sei.
Also blieb ich in der Position.
Dehnte weiter. Blieb in der Anspannung. Dehnte weiter. Blieb in der Anspannung. Dehnte weiter. Atmen nicht vergessen. Anspannung, Dehnen, Anspannung, Dehnen, Anspannung. Am Schluss die lange aktive Anspannung.......
Ich Atmete.
Vertraute dem Prozess.
Nach vier Minuten war die Übung vorbei.
Ich war erschöpft. Und die rechte Seite war noch dran..... OMG.
Aber noch ahnte ich nicht, was passiert war.
Der Moment im Hotel
Erst am Abend, zurück im Hotelzimmer, bemerkte ich es.
Die Schmerzen waren weg.
Nicht besser.
Nicht leichter.
Nicht reduziert.
Weg.
Komplett.
Die Schmerzen, die mich seit der Geburt meines Sohnes begleitet hatten.
Die Schmerzen, mit denen ich über Jahre gelebt hatte. Die Schmerzen, die ich längst als normal akzeptiert hatte. Sie waren verschwunden. Und das Erstaunlichste:
Bis heute sind sie nicht zurückgekehrt.
Was ich daraus gelernt habe
Diese Erfahrung hat mich tief berührt.
Nicht nur als Therapeutin. Sondern als Mensch. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Selbstreflexion ist. Wie wichtig es ist, offen zu bleiben. Wie wichtig es ist, sich immer wieder begleiten und korrigieren zu lassen.
Und vor allem:
Wie entscheidend die Details sein können.
Manchmal fehlt nicht die richtige Übung.
Manchmal fehlt nur die richtige Ausführung.
Ein paar Zentimeter.
Ein anderer Winkel.
Eine kleine Korrektur.
Ein bisschen weiter raus aus der Komfortzone
Und plötzlich verändert sich alles.
🌿 Rotationsübung – Kurzbeschreibung
Ausgangsposition
Stelle dich schulterbreit mit gestreckten Knien an eine Wand.
Das Becken bleibt nach vorne gerichtet.
Die Schulter der zu dehnenden Seite zeigt zur Wand.
Die äußere Hand liegt an der Wand, die innere Hand am Gesicht/Kopf.
Achte darauf beide Schultern nicht zu senken
Schritt 1 – Rotation aufbauen
Ziehe mit der Hand an der Wand den Oberkörper sanft weiter in die Rotation.
Unterstütze die Bewegung mit der Hand am Kopf.
Versuche dabei, das Becken leicht nach vorne zu kippen, sodass kein Hohlkreuz entsteht.
Gehe langsam bis zu deiner individuellen Dehngrenze.
Halte die Position etwa 30 Sekunden.
Schritt 2 – Gegenspannung
Gehe aus der Dehnung raus und gehe in die Anspannung hinein.
Spanne Kopf und Oberkörper für etwa 7 Sekunden gegen die Hände an, als wolltest du dich aus der Rotation zurückdrehen. (isolierte Bewegung)
Dabei findet keine sichtbare Bewegung statt (isolierte Bewegung).
Schritt 3 – Weiter in die Dehnung
Löse die Spannung langsam.
Ziehe Kopf und Oberkörper für etwa 3 Sekunden etwas weiter in die Rotation.
Wiederhole diesen Wechsel aus Anspannung und Nachdehnung mehrmals.
Dauer
Insgesamt ca. 2–4 Minuten pro Seite.
Wichtig
✅ Langsam und kontrolliert bewegen
✅ Ruhig weiteratmen
✅ Das Becken möglichst leicht nach vorne gekippt halten
✅ Nicht ruckartig ziehen
✅ Die Dehnung darf intensiv sein, sollte aber gut kontrollierbar bleiben
Empfehlung
⭐ Immer beide Seiten üben, auch wenn die Beschwerden nur einseitig auftreten. Häufig beeinflussen sich rechte und linke Körperseite gegenseitig. Gerade bei langjährigen Beschwerden kann die symptomfreie Seite wichtige Hinweise auf Spannungsmuster im gesamten Körper geben. 🌿
💡 Mein persönlicher Aha-Moment: Erst durch den Hinweis von Petra Müller, mein Becken während der Übung bewusst anders auszurichten, konnte ich die Rotationsübung vollständig nutzen. Eine kleine Veränderung in der Ausführung machte für mich einen enormen Unterschied. ❤️
Warum ich weiter lerne
Die drei Ausbildungsblöcke in Bad Homburg haben mir viele neue Techniken vermittelt. Ich durfte mein Wissen erweitern, neue Perspektiven kennenlernen und mich mit großartigen Kollegen austauschen.
Doch die wichtigste Lektion war vielleicht diese:
Lernen hört niemals auf.
Nicht für Patienten.
Nicht für Therapeuten.
Und nicht für mich.
Deshalb investiere ich weiterhin Zeit, Energie und Herzblut in meine Weiterbildung.
Denn jedes neue Wissen, jede Erfahrung und jede Erkenntnis fließt direkt in meine Arbeit mit den Menschen ein, die mir ihr Vertrauen schenken.
Und manchmal erinnert mich eine scheinbar einfache Übung daran, dass Veränderung oft näher ist, als wir glauben.
Deshalb meine ehrliche Frage an dich:
Wo darfst du heute noch einmal genauer hinschauen, obwohl du glaubst, schon alles zu wissen?
Manchmal liegt genau dort der Schlüssel zur Veränderung.
Herlichst, Deine Angela



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